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Fast alle deutschen Bibelgesellschaften, die heute noch bestehen (das sind über 30 ) und viele andere mehr, die längst nicht mehr bestehen, sind in den zwölf Jahren zwischen 1812 und 1824 gegründet worden.
Gegründet wurden sie alle unmittelbar oder mittelbar durch die "Britische und ausländische Bibelgesellschaft", die seit 1804 bestand. Durch die Erweckungsbewegung im 18. Jahrhundert war das Interesse an Bibeln stark gestiegen, aber sie waren knapp und für einfache Leute schlicht nicht bezahlbar. So gründeten (in der Mehrzahl) Laien und Theologen diese interkon- fessionelle und international zusammengesetzte Bibelgesellschaft. Ihr Ziel war es, die Bibel in viele Sprachen zu übersetzen und in der ganzen Welt zu verbreiten. Diese Idee wurde durch vier sogenannte Auslandssekretäre in die Welt getragen. Sie reisten viel und gründeten in vielen Ländern Europas Bibelgesellschaften.
1812: Als es nach Ende der Napoleonischen Kriege wieder möglich war, Europa über Schweden zu erreichen, reiste der Auslandssekretär der "Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft", Dr. Karl Friedrich Adolph Steinkopf, nach Deutschland. Auf allen Stationen seiner Reise (Altona, Hannover, Göttingen, Erfurt, Neudietendorf, Nürnberg, Stuttgart, Tübingen, Schaffhausen...) schenkte er Bibeln bzw. Geldbeträge zum Kauf von Bibeln. Am Ende seiner Reise gründete er die Leipziger Bibelgesellschaft und gab Anstöße in weiteren Städten Bibelge- sellschaften zu gründen. Steinkopf hatte die Menschen aufgesucht, von denen er annehmen konnte, dass sie für die Gründung einer Bibelgesellschaft aufgeschlossen waren, weil sie die Bibel liebten. Das waren hauptsächlich die Männer der Christentumsgesellschaft. Dort lebte, was auch die spätere Erweckungsbewegung kennzeichnete: die Geselligkeit, das Sich-Besuchen, die Gemeinschaft im Glauben. Steinkopf hat die Menschen, die er besuchte, einfach dadurch für die Gründung einer Bibelgesellschaft gewonnen, dass er Geldgeschenke und Bibeln mitbrachte und die Beschenkten veranlaßte, mit diesem "Kapital" die Arbeit zu beginnen. Bezogen hat Steinkopf seine Geschenk-Bibeln aus der Cansteinschen Bibelanstalt, die A.H: Francke mit seinem Freund, Freiherr v. Canstein im Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen eingerichtet hat. Das dort gedruckte Neue Testament kostete zwei Groschen, eine ganze Bibel 6 Groschen, das war damals sensationell preiswert
1814: Es gibt kein Jahr in der Geschichte der deutschen Bibelgesellschaften, in dem so viele große Bibelgesellschaften gegründet wurde. Diesmal fährt Dr. Schwabe von der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft London durch Deutschland: über Koblenz, Frankfurt, Eisenach, Erfurt, Dresden, Halle, Berlin, Potsdam, Magdeburg, Wernigerode und Hamburg und gründete Bibelgesellschaften. In Eisenach traf er sich mit Konsistorialrat Voppel, dem er 150 Taler übergab, um dafür Bibeln zu kaufen. Voppel kaufte 230 Bibeln und 70 Neue Testamente und verteilte sie an Arme. Dann gewann er weitere angesehene Persönlichkeiten zur Mitarbeit, z.B. Generalsuperintendent Johann August Nebe. Großherzog Karl August zu Sachsen-Weimar Eisenach genehmigt am 18.7.1817 die Gründung einer Bibelgesellschaft. Die Gründungsversammlung fand am 12.12.1817 im Eisenacher Rathaus statt. 180 Personen trugen sich als Mitglieder ein - ziemlich viele für das damals kleine Städtchen. 1821 wurde in Weimar eine Bibelgesellschaft gegründet. Sie war eine der wenigen, wahrscheinlich die einzige, die auf kirchenamtlichem Wege zustande kam und wenig Rückhalt in der Bevölkerung hatte und wenig Mitglieder. Mitglieder waren die Herren des Konsistoriums. Dennoch wurden in 4 Jahren 3000 Bibeln und Neue Testamente verbreitet. Die meisten waren allerdings von der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft geschenkt worden.
Nach Aktenlage in den staatlichen und kirchlichen Archiven in Thüringen können wir davon ausgehen, dass es in den meisten Herzogtümern Bibelgesellschaften oder auch nur die sog. Bibelkassen gegeben hat.
Bibelgesellschaften heute: Bibelgesellschaften setzen sich nach wie vor für die Ziele: Bibelverbreitung und Bibelübersetzung ein. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Bibel mittlerweile in 2377 von insgesamt ca. 6000 Sprachen (Stand: 15.3.2005) übersetzt worden ist.
In Deutschland gibt es 31 Bibelgesellschaften, die in der Deutschen Bibelge- sellschaft in Stuttgart zusammengeschlossen sind.
Das Thüringer Bibelwerk
1950: die rechtlichtlich und finanziell selbständigen Bibelgesellschaften von Altenburg, Eisenach, Weimar und die Bibelanstalt Altenburg bilden das Thüringer Bibelwerk (Verordnung vom 26.5.1950) als Dachverband
1995: Fusion der 3 Bibelgesellschaften von Altenburg, Eisenach und Weimar; Neugründung der Thüringer Bibelgesellschaft am 28.10.1995 in Eisenach. Vorsitzender: OKR Dr. Burkhard Schröter, Geschäftsführer: Diakon Dieter Bernecker
1998: Eröffnung des Bibel-Cafés in Eisenach am 6. Januar in der Goldschmiedenstraße
2001: Veränderungen in Geschäftsführung und Vorstandsstruktur Vorsitzender: Altbischof Roland Hoffmann; Geschäftsführerin: Dr. Kerstin Voigt (ehrenamtlich); Leiter des Bibelcafes: Diakon Jens Schönefeld
2002: Neueröffnung des Bibel-Cafés im Eisenacher Lutherhaus im August
2003: Jahr der Bibel - zahlreiche Projekte und Ausstellungen; Neue Ordnung und neuer Name: die Thüringer Bibelgesellschaft wird Thüringer Bibelwerk Am 6. Januar wird die Stiftung Thüringer BibelLESE gegründet
Die Ordnung des Thüringer Bibelwerkes nennt folgende Aufgaben und Ziele: - Bibel verbreiten - Bibel lesen und Kenntnis der Bibel fördern - andere Menschen motivieren, sie bei der Verbreitung der Bibel zu unterstützen (Spenden für Bibelmission usw.) - Angebote für bibelmissionarische Arbeit in den Gemeinden (Ideen, Konzepte, Finanzhilfe...)
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